Was fehlt einem Menschen zum Ankommen, wenn Sprache und Aussehen längst kein Hindernis mehr sind? Leonie Tessenow wuchs auf einer Rinderfarm in Paraguay auf, kam mit 18 nach Deutschland und brauchte zehn Jahre, bis sie sich heimisch fühlte · obwohl sie blond ist und ohne Akzent Deutsch spricht. Im Gespräch erzählt sie von den Feinheiten, an denen Ankommen wirklich hängt: von der Bäckerei-Auslage, deren Teile sie nicht benennen konnte, von zwanzig Käsesorten im Supermarkt, von Humor, der ins Leere läuft. Sie erzählt von Vorfahren, die als Mennoniten unter Katharina der Großen nach Russland gingen und unter Stalin nach Paraguay flohen · von Eltern, die zur 16-Jährigen „ja, mach" sagten und ihr damit eine Kraft mitgaben, die ihr niemand mehr nehmen kann · und davon, wie sie in Schwerin die TEKOHA GmbH gründete, weil ihr in Deutschland der paraguayische Matekaffee fehlte. Ihre drei Impulse für junge Menschen: bleib nicht stehen, wirf einen Blick über den Tellerrand, und erwarte nicht, dass dir etwas zusteht.